Dinoflagellaten

Dinoflagellaten (Panzergeißler) umfassen eine Gruppe von über 1.000 Arten, wobei es sich vor allem um gepanzerte Einzeller handelt. Allen Dinoflagellaten sind Geißeln zur Fortbewegung und ein Vermehrungszyklus aus mobilen und stationären Phasen gemeinsam. Ihre Ernährung erstreckt sich von Photosynthese über das Verdauen kleinster Lebewesen bis hin zu heterophagen Ernährungsweisen. Dinoflagellaten gelten als anpassungsfähig und Mischformen zwischen den Arten sind üblich. Bei Dinoflagellaten handelt es sich um einen bedeutenden Anteil der primär verfügbaren Biomasse in Meeren und anderen Gewässern. Sie bilden zusammen mit Kieselalgen die grundsätzliche verfügbare Biomasse in Gewässern und sind entsprechend bedeutend für die Ökosysteme. Natürlicherweise kommen sie in jedem Gewässer vor. Von Bedeutung wird dieses Kleinstlebewesen in der Aquaristik erst, wenn es sich übermäßig vermehrt.

Dinoflagellaten als Krankheitserreger und Gesundheitsbeeinträchtigung des aquaristischen Ökosystems

Dinoflagellaten als solche können nicht als Fischkrankheit bezeichnet werden. Die einzige Ausnahme ist die Samtkrankheit, welche durch den Dinoflagellaten Oodinium ausgelöst wird. Die Samtkrankheit ist dadurch zu erkennen, dass Fische wie von Staub oder Schimmel überzogen scheinen. Sie werden geschwächt, schreckhaft, apathisch und können zugrunde gehen. Die Samtkrankheit ist vor allem an den Flossen gut zu erkennen, wo es erst zu einer sehr feinen Pünktchenbildung kommt. Wird das Licht abgeschaltet und der Fisch von hinten beleuchtet, ist dies besonders gut zu erkennen.

Der Dinoflagellat lebt parasitär an der Fischhaut, wobei diese aktiv geschädigt wird. Es kommt zu Verletzungen dank der Geißeln beziehungsweise dank tentakelartiger Ausstülpungen, mit welchen sich die Dinoflagellaten am und im Fisch verharken. Sie öffnen die Hautzellen und ernähren sich von inneren Flüssigkeiten des Zellen. An Schleimhäuten und an Kiemen führt dies zu Schwellungen, an anderen Hautstellen schließlich zum Ablösen der Haut.

Ansonsten neigen Dinoflagellaten auch zur starken Vermehrung, was sich dann in Algenteppichen oder schleimigen Belägen äußert. Diese Beläge sind für Fische oftmals ungefährlich, können aber Korallen und andere stationäre Tiere in Mitleidenschaft ziehen. Zudem sind die Beläge ein optisches Problem und die Menge an neuen Einzellern sorgt für eine (negative) Veränderung der Wasserqualität durch die Nutzung und Aufspaltung von Nährstoffen.

Eine weitere Gefahr bei Dinoflagellaten geht von einer Toxinbildung aus. Mehrere Arten bilden Toxine, die zum Fisch- und Korallensterben führen können. Verschiedene Dinoflagellaten-Arten können zu einer Algenblüte heranreifen und das gesamte Aquarium vergiften. Dies betrifft dann zumeist alle im Wasser befindlichen Tieren.

Ursachen eines Befalls mit Dinoflagellaten

Die meisten Arten von Dinoflagellaten kommen in Gewässern natürlicherweise vor. Dies betrifft auch Leitungswasser teilweise, zudem können die Zysten und Sporen dieser Kleinstlebewesen lange Zeit überdauern und etwa über Pflanzen, Steine oder Sand eingeschleppt werden. Ein Aquarium, das frei von Dinoflagellaten ist, ist eher selten. Doch in den meisten Fällen werden die wenigen Dinoflagellaten überhaupt keinen Einfluss auf die Lebewesen im Aquarium haben.

Werden allerdings Dinoflagellaten eingeschleppt und erfahren dann sehr gute Bedingungen, kann es zu einer übermäßigen Vermehrung kommen. Je nachdem, welche Art vorherrschend ist, werden Fische befallen, es kommt zu Vergiftungen oder einfach nur zu schleimigen Ansammlungen von Phytoplankton.

Als förderlich für das Wachstum der ungebetenen Dinoflagellaten gelten etwa hohe Nährstoffwerte im Wasser. Zudem können die meisten Arten sich auch von anderen Lebewesen, also etwa von Kieselalgen oder Bakterien, ernähren. Alle Faktoren, die diese Lebensformen unterstützen, unterstützen so auch das Wachstum der Dinoflagellaten.

Die genauen Faktoren und Voraussetzungen für eine schlagartige Vermehrung von Dinoflagellaten sind nicht bekannt.

Verlauf der Vermehrung von Dinoflagellaten

Die Samtkrankheit tritt in der Regel plötzlich auf und kann sich ein paar Wochen lang hinziehen. Die befallenen Fische werden nach und nach fleckiger und verfärben sich schließlich am Rücken und Kopf dunkler. Dies betrifft vor allem helle Fische. Im späten Stadium, kurz vor dem Ableben, sinken die Fische zu Boden und versuchen, sich an die Wasseroberfläche zu hetzen. Dies misslingt in den meisten Fällen.

Auch kann die Samtkrankheit schnell auf andere Fische übergreifen und auch nach einer Behandlung für Komplikationen verantwortlich sein. Die Hautschäden begünstigen etwa bakterielle Infektionen.

Dinoflagellaten vermehren sich ansonsten in Form von Algenblüten schlagartig und pendeln sich schließlich auf einem stabilen Niveau ein, solange sie nicht bekämpft werden. Ob dadurch Schäden für das Aquarium und seine Lebewesen zu erwarten sind, hängt von der Beschaffenheit des aquaristischen Ökosystems ab.

Bekämpfung von Dinoflagellaten

Erst einmal müssen die Dinoflagellaten nachgewiesen werden. Sie sind rein durch eine Blickdiagnose nicht zu erkennen. Unterm Mikroskop zeigen sie sich als sehr schnelle, mit zwei Geißen ausgestattete Kapseln. Sie sind ausgesprochen agil. Am Boden des Beckens lassen sich teilweise verdickte Zysten finden.

Parasitäre Dinoflagellaten können mit Kupfer bekämpft werden. Bei Kupfer ist allerdings zu beachten, dass Schnecken, Garnelen und Welse sehr schnell absterben, wenn sie mit Kupfer in Kontakt kommen. Es kann sinnvoll sein, diese von den zu behandelnden Tieren zu isolieren, wobei die Gefahr besteht, dass gerade Welse die Samtkrankheit dann verschleppen. Versuchsweise kann auf Malachitgrün oder Breitbandmittel gegen Parasiten ausgewichen werden.

Die Fische sollten behandelt werden und gelegentliche Salzbäder (2 – 5 mg Salz pro Liter) erfahren, damit sie besser abschleimen können. Zudem ist eine gleichzeitige Kur gegen eventuelle bakterielle Infektionen sinnvoll, da dies eine häufige Folgekomplikation der Samtkrankheit darstellt.

In jedem Fall lässt sich das Wachstum der Dinoflagellaten behindern, wenn dem Wasser Nährstoffe entzogen werden. Wer zudem mit Algenteppichen und Schlieren zu kämpfen hat, sollte die eigene Kieselalgenpopulation bekämpfen, da diese den meisten Dinoflagellaten als Nährstoffquelle dient. Dies gelingt recht effektiv über einen Silikatfilter. Die Zugabe von Bakterienkulturen, gleich welchen Zwecks, sollte ausgesetzt werden. Zudem kann es helfen, das Aquarium zwei oder drei Tage lang abzudunkeln. So werden Photosynthese treibende und heterophage Dinoflagellaten effektiv geschwächt. Das mechanische Absaugen ist ebenfalls hilfreich.

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