Hautflagellaten

Allgemeine Daten zu Hautflagellaten

Hautflagellaten gehören zur Gruppe der Geißeltierchen und sind einzellige Parasiten, die sich auf der Fischhaut ansiedeln. Zu den bekanntesten Erregern gehört einerseits Ichthyobodo necator, der die gleichnamige Krankheit Ichthyobodo verursacht. Aufgrund seines früheren Namens Costia necatrix wird die Krankheit auch Costia genannt. Dieser winzige, ovalförmige Parasit ist mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Er bewegt sich mithilfe einer Geißel fort und heftet sich mit einer weiteren Geißel an den Wirt fest. Er ernährt sich vom Zellgewebe der Hautschicht und kann freischwimmend im Wasser bis zu zwei Stunden ohne Wirt überleben. Er vermehrt sich durch Längsteilung und ist zusätzlich in der Lage, Zysten als Überdauerungsstadium zu bilden. Befallene Fische zeigen unter anderem einen gräulichen, schmierigen Belag an befallenen Hautstellen, Hauttrübungen und eine sich ablösende Schleimhaut.

Piscinoodinium pillulare ist ein weiterer Hautflagellat bei Süßwasserfischen und ist Verursacher der Samtkrankheit, auch Oodinium oder Piscinoodinium genannt. Dieser eher rundliche Dinoflagellat bewegt sich mithilfe einer Geißel fort, bis er einen Wirt gefunden hat und die Geißel abwirft. Mithilfe von Plasmafäden hält er sich auf der Fischhaut. Die Parasiten finden sich meist in traubigen Formationen auf der Haut zusammen und sind so mit bloßem Auge als helle Pünktchen sichtbar, weshalb eine Samtkrankheit häufig mit der Weißpünktchenkrankheit verwechselt wird. Um sich zu vermehren, löst Piscinoodinium sich vom Wirt und bildet am Bodengrund eine Zyste, in der er über 200 Sporen bilden kann. Diese entwickeln sich zu neuen Flagellaten, die wiederum auf die Suche nach einem Wirt gehen. Zu diesem Zweck können sie 24 Stunden freischwimmend oder auf Wirbellosen, die sie als Transportmittel nutzen, überleben. Der Dinoflagellat betreibt zusätzlich Photosynthese – die Hautzellen stellen also nur einen Teil seiner Nahrungsquelle dar. Zu den Symptomen der Samtkrankheit zählen ein schmutzig-gelber, samtiger Belag auf der Haut, ein dunkel verfärbter Kopf sowie Rücken und eine sich lösende Schleimhaut.

Ursachen

Hautflagellaten kommen häufig in geringer Anzahl auf der Fischhaut vor und ernähren sich hier vornehmlich von abgestorbenen Zellen. Sie schaden der Fischpopulation nicht, sofern gute Wasserwerte vorliegen und die Fische ein gesundes Immunsystem haben. Kommt es jedoch durch Haltungsfehler wie ungünstigen Wasserwerten, einer mangelhaften Ernährung oder Stress zu einer großen Anzahl der Parasiten, kann es zu progressiven Schäden kommen. Auch ein neu eingeführter Besatz kann bereits infiziert sein und die übrigen Fische anstecken. Die sich stark vermehrenden Flagellaten beginnen, sich nun auch von gesunden Hautzellen der eventuell geschwächten Fische zu ernähren.

Verlauf

Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich abhängig vom jeweiligen Erreger. Ichthyobodo verursacht bei einem massenhaften Befall einen gräulichen, schmierigen Belag auf der oft gleichzeitig getrübten Haut. Die Schuppen werden zerstört und die Schleimhaut beginnt, sich in Fetzen abzulösen. Wird die Krankheit nicht behandelt, schädigt der Parasit im weiteren Verlauf auch die tiefer liegenden Körperschichten und es kommt zu blutigen Geschwüren. Ichthyobodo ist zudem in der Lage, die Kiemen zu befallen und zu schädigen. Durch die Wunden können Bakterien und Pilze in das Körperinnere vordringen und zu Sekundärinfektionen führen. Diese verursachen Organversagen, wodurch der Fisch letzten Endes stirbt.
Piscinoodinium befällt in vielen Fällen zunächst die Kiemenöffnungen. Der Erreger ist in Form von winzigen Pünktchen auf der Fischhaut und den Flossen sichtbar und führt dort zu einem bräunlich-gelben Belag. Dieser scheint wie ein staubiger Überzug und führte zum Namen „Samtkrankheit“. Allerdings ist dieser Belag besonders zu Beginn des Befalls und im normalen Aquarienlicht eher schlecht zu erkennen. Hier kann der Schein einer Taschenlampe bei ausgeschalteter Aquarienbeleuchtung hilfreich sein. Der Fisch versucht durch eine vermehrte Schleimproduktion, den Erreger loszuwerden, während sich Rücken- und Kopfbereich häufig dunkel verfärben. Auch Piscinoodinium zerstört die Haut und führt bei fortschreitendem Verlauf zu einer Ablösung der Schleimhaut, worauf Sekundärinfektionen folgen können. Besonders bei Jungtieren führt ein Befall schnell zum Tod, während auch adulte Tiere sehr gefährdet sind, wenn sich der Erreger im Darm festsetzt und zu inneren Schäden führt.
Bei einem Befall mit Hautflagellaten scheuern sich die Fische an Gegenständen im Aquarium und zeigen geklemmte Flossen. Ist die Krankheit fortgeschritten, werden die Fische appetitlos und lethargisch, während sie sich absondern und nach Luft schnappen.

Behandlung

Mithilfe der Symptome kann eine Infektion mit Ichthyobodo oder Piscinoodinium vermutet werden; eine sichere Diagnose ist jedoch nur mit dem Mikroskop möglich.
Im frühen Stadium kann bei beiden Erregern ein Salzbad helfen. Hierzu können, je nach Verträglichkeit, bis zu 5 Milligramm jodfreies Kochsalz in einem Liter Wasser gelöst werden.

Bei einem Ichthyobodo-Befall kann bereits eine Temperaturerhöhung zur Abtötung der Erreger führen, wenn die Symptome rechtzeitig erkannt werden und die Fische entsprechende Temperaturen vertragen. Dabei wird die Temperatur mit einem Grad pro Stunde auf etwa 30°C erhöht und bei gleichzeitig erhöhter Luftzufuhr zwei Tage lang gehalten. Ist die Krankheit bereits fortgeschritten, können Breitband-Arzneimittel gegen Flagellaten eingesetzt werden, die Acriflavin oder Chinin als Wirkstoffe enthalten. Beim Einsatz von Acriflavin ist allerdings darauf zu achten, dass es für manche Wasserpflanzen oder Filterbakterien schädlich sein kann.
Piscinoodinium pillulare wird mit Präparaten behandelt, die Chinin, Malachitgrün oder Kupfer enthalten. Kupfer kann sich nachteilig auf Welse oder Wirbellose auswirken und sollte daher nur unter Umständen eingesetzt werden. Da der Erreger zum Teil auf die Photosynthese angewiesen ist, ist eine Abdunklung des Aquariums während der Behandlung hilfreich. Nach einigen Tagen sollte eine weitere Behandlung folgen, da sich nach der ersten Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut Piscinoodinium-Flagellaten aus Sporen entwickeln. Die Sporen selber können mit den Medikamenten nicht bekämpft werden.

Um einer Ansteckung durch einen neuen Besatz vorzubeugen, können Neuzugänge für wenige Wochen in Quarantäne gehalten und beobachtet werden.

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